Tiroler Konzept- und Medienkünstler führte Club Tirol-Mitglieder durch seine „Metabolica“-Ausstellung im MQ-Freiraum.
Meterlange, am Boden liegende Schläuche durchziehen den ganzen Raum. Darin fließt eine grünlich schimmernde Flüssigkeit. Produziert in der riesigen Skulptur „Hydra“, weitergeleitet in eine einem kleinen U-Boot ähnliche Apparatur. Von dort geht’s weiter in die „Fatty Fantasy“-Skulptur und schließlich in das als „Raffinerie“ bezeichnete Gebilde, das einer Miniatur der echten Anlage in Wien-Schwechat gleicht. Dahinter bewegt sich eine Art kleiner Bohrturm gemächlich auf und ab.
Es gleicht einem biochemischen Labor, was der aus Innsbruck stammende und in Wien lebende Konzept- und Medienkünstler Thomas Feuerstein in den Freiraum-Ausstellungsräumen im Wiener Museumsquartier aufgestellt hat. Hier sind erstmals alle fünf Kapitel seines Werkzyklus „Metabolica“ ausgestellt, an dem er seit dem Jahr 2017 gearbeitet hat. Und in dem futuristisch anmutenden Forschungslabor wird tatsächlich etwas produziert, wie Feuerstein der staunenden Gruppe an Club Tirol-Mitgliedern erklärte, die er jüngst höchstpersönlich durch die Ausstellung führte. „Thomas zählt wohl zu den bedeutendsten, vielseitigsten und international bekanntesten Gegenwartskünstlern aus Österreich“, ließ Club-Vizepräsidenten Renate Danler die Besucherschar bei ihrer Begrüßung wissen.
Mit „Metabolica“ führt Feuerstein in eine Welt ein, die Prozesse des Lebens und des Stoffwechsels beleuchtet. In seinem als Versuchsanordnungen inszenierten, beeindruckenden Maschinen-Skulpturen-Park – geschaffen in seiner nach wie vor in Innsbruck beheimateten Werkstatt – treffen Philosophie, Kunstgeschichte sowie moderne Biotechnologie auf Aspekte einer nachhaltigen Ökonomie und Politik.
In der Hydra-Skulptur entstehen Algen (Chlorella vulgaris). Aus diesen werden in weiterer Folge Fettsäuren produziert, deren Bildung durch spezielle Stickstoffkreisläufe und der umfunktionierten Ölpumpe „Moby Dick“ gefördert wird. Dann übernehmen Bakterien wie Cupriavidus necator, die in den Bioreaktoren „Misses Mol und Mister Mol“ die Fettsäuren der Algen „metabolisieren“ und sie so in PHB (Polyhydroxybutyrat) umwandeln – ein bioplastisches Material, sprich Kunststoff.
Das getrocknete und pulverförmige PHB wird dann, quasi im letzten Kapitel, dem ebenfalls als Skulptur errichteten großen 3-D-Drucker „Anacle“ zugeführt, der daraus wieder thermoplastisch modellierte Skulpturen entstehen lässt. In seiner „Fabrik des Lebens“, so Feuerstein, hinterfragt er Zusammenhänge zwischen Ressourcenverbrauch, Nachhaltigkeit und künstlerischer Schöpfung. Er verbindet dabei Fakten aus der Forschung mit Fiktion, Philosophie und Literatur.
Feuersteins Ausstellung ist noch bis einschließlich 1. Februar im MQ-Freiraum zu sehen, anschließend „verstreuen“ sich Teile seiner Bio-Fabrik zu weiteren Ausstellungen in verschiedenen Ländern.




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