Die Krise als Chance oder was wir daraus lernen können


Beim fünften virtuellen Meeting des Businessclub CLUB TIROL schilderten fünf unterschiedliche Persönlichkeiten ihre Erfahrungen in der „Corona-Krise“ und ihre Strategien, diese zu bewältigen. Ein Abend mit viel Zuversicht, Vertrauen und positiven Beispielen.

Ist die Krise eine Chance? Wie bewältigen wir Krisen? Was können wir daraus lernen? Welche Dinge müssen wir ändern? Und wer zeigt uns, wie’s geht?

Fragen über Fragen, die sich wohl viele Menschen - speziell unternehmerisch Tätige - in der nach wie vor andauernden „Corona-Krise“ wiederholt stellen. Antworten darauf sowie mutmachende Beispiele aus der Praxis wurden beim fünften virtuellen Meeting des Club Tirols gesucht. Gegeben wurden sie in kurzen, teils sehr persönlichen Statements von fünf unterschiedlichen Persönlichkeiten, die alle mindestens eines gemeinsam haben: Sie alle waren und sind von der Krise direkt betroffen, haben jedoch für sich selbst sowie ihre Unternehmen einige positive Aspekte aus der Krise mitgenommen.

„Wir haben uns in den vergangenen Monaten bereits aus unterschiedlichen Richtungen mit dem Thema Covid-19 und seinen Folgen beschäftigt“, sagte Club-Präsident Julian Hadschieff zu Beginn. Manch einem „mag es bereits überflüssig erscheinen, aber heute wollen wir uns der Sache einmal positiv widmen und der Frage nachgehen, wie wir mit der Krise umgehen - denn für einige, gerade die Jungen, ist es vielleicht die erste Krise ihres Lebens.“ Lydia Ninz, die Moderatorin des „gezoomten“ Clubabends, sieht bei Unternehmern „das Wort unternehmen drinnen stecken - das heißt, in einer Krise kann ich nicht nur einfach lamentieren sondern muss was tun, muss auf die Suche gehen, um daraus zu lernen.“

Die Tirolerin des Jahres
„Der für mich einprägsamste Moment war der Freitag 13. März, als ich und mein Bruder unseren Mitarbeitern sagen mussten, es tut uns leid, ab Sonntag ist alles zu und ab Montag seit ihr in Kurzarbeit“, erzählte Martha Schultz, Geschäftsführung der Schultz Gruppe sowie unter anderem Vizepräsidentin der WKÖ und Tirolerin des Jahres 2018. Ein Ereignis, das „mir in der darauffolgenden Nacht den Schlaf geraubt hat.“ Aber „wir haben allen Mitarbeitern gesagt, wir machen weiter - 400 von insgesamt 600 wurden in Kurzarbeit geschickt, alles heruntergefahren, Stornierungen abgewickelt und vieles mehr.“ Ein Erlebnis, das „ich nicht noch einmal haben möchte.“ In der Wirtschaftskammer er-lebte Schultz eine „der intensivsten Arbeitsphasen meines Lebens, konfrontiert mit den unterschiedlichsten (Unternehmer-)Schicksalen.“

Bei allen Schwierigkeiten und schnell herbeigeführten Veränderungen hat Martha Schultz vor allem das „Gefühl, wir halten alle zusammen, die gegenseitig erbrachte Wertschätzung“ als etwas absolut Positives erlebt. Es gebe kaum ein Land wie Österreich, wo es so viel Unterstützung in schwierigen Situationen gibt. Auch wenn die Lage in Brachen wie Event, Veranstaltungen, Stadthotellerie etc. noch sehr trist ist. „Was mich als Touristikerin besonders freut ist die Tatsache, dass die Österreicher auf unser Land schauen und Urlaub in der Heimat machen, da wurde viel Aufklärungsarbeit betrieben.“ Als Unternehmerin müsse sie sich noch daran gewöhnen, dass „wir jetzt etwas langsamer und ruhiger bei der Umsetzung unserer Betriebserweiterungen, von Investitionen und Visionen, agieren sollten.“ Interessant hingegen die Erkenntnis, dass es „mir als sonst Vielreisende in der Heimat mit täglichen Spaziergängen mit dem Hund nicht zu eng geworden ist.“

Der Spitalsclown
„Eine Krise hat viel mit Emotion zu tun, es fallen plötzlich Dinge wie Sicherheit, Vertrautes, Bewährtes, Bekanntes oder Routinen weg“, leitete Patrick Hafner seine Gedanken zum Thema ein. Der Unternehmensberater (mit Hiking Days), Business-Coach und Storyteller hat viel Erfahrung mit Menschen in Krisensituationen: Ist der doch seit 18 Jahren als Spitalsclown bei den CliniClowns Austria tätig und hatte „persönlichen Kontakt zu gut 40.000 Kindern, Jugendlichen, Erwachsenen, Senioren.“ Zur Zeit ist „Dr. Disco“ coronabedingt virtuell unterwegs.
Nach einem Zitat von Max Frisch kann „eine Krise ein produktiver Zustand sein, man muss ihm nur den Beigeschmack der Katastrophe nehmen.“ Das menschliche Gehirn schränkt zuerst einmal die Wahrnehmung ein, um Energie zu sparen. „Wir werden sehr emotional und nehmen negative Erfahrungen intensiver wahr als positive.“ So ist es Patrick im vergangenen März selbst ergangen, der Südtiroler „hat nur noch Nachrichten über Corona gelesen und dabei Angst um meine Familie bekommen.“

Wie kommt man aus diesem Zustand wieder raus? Patrick hat bei vielen Menschen gesehen, dass sie versuchen, wie-der die Kontrolle zu erlangen, dabei sehr rational werden und „in das Tun gehen“. Bewährte Lösungsstrategien, die etwas Gutes aus der Krise holen. Wenn bei dieser Suche aber zu viel Druck gemacht wird, dann „schneide ich sehr schnell den Weg zur Emotion ab und Lösungen werden schwierig.“ Das heißt, wenn die Krise so nicht kontrollierbar wird, dann „setzt was anderes ein, nämlich das Loslassen und stärker in das Vertrauen zu gehen.“ Dieser Schritt beruhe auf drei Säulen: Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, Hilfe durch andere annehmen und der Glaube an ein Happy-End.

Nun gelte es, die Balance zwischen Kontrolle und Vertrauen zu finden und als Chance zu sehen, dass „das Gehirn nun extrem offen dafür ist, neue Wege zu gehen.“ Bildlich gesprochen: „Jetzt das Glas mit Vertrauen füllen und einen kontrollierenden Deckel darauf geben, damit das Vertrauen drinnen bleibt.“

Der Experte für E-Commerce
Man braucht Vertrauen und ein Ziel, um in Krisen zu funktionieren. Das sieht Stephan Grad, seines Zeichens Gründer und Geschäftsführer der auf E-Commerce und digitale Vertriebskonzepte spezialisierten Beratungsmanufaktur A-COMMERCE, ebenso. So wurden in der eigenen Firma - nach kurzer Schockstarre - die Mitarbeiter nicht in Kurzarbeit geschickt sondern auf einwöchigen Urlaub. Um runterzukommen vom allgemeinen Hype. Dann „haben wir wie ein guter Unternehmer agiert: etwa tun.“ Das heißt, intern wurde heftig gearbeitet, lange Liegengebliebenes aufgeräumt, alte Baustellen beseitigt, neue Prozesse mit Kunden aufgesetzt. Die „Krise war für uns so positiv, wir sind nun besser aufgestellt, viele frühere betriebsinterne Fragezeichen und Ungewissheiten sind gelöst.“ Nebenbei wurde die zuvor schwierige Suche nach „guten Mitarbeitern“ plötzlich leichter, die Firma expandiert.

Was die Kunden betrifft, da hat Stephan Grad interessante Erfahrungen gemacht. Da gab es welche, die plötzlich „gekommen sind und gefordert haben, jetzt brauch ma schnell was mit E-Commerce.“ Aktionen, um die Panik zu löschen. Aber „digitale Strategien lassen sich nicht einfach in zwei Wochen umsetzen.“ Hingegen habe sich bei Familienunternehmen oder Unternehmen mit starken Eigentümerfamilien im Hintergrund gezeigt, dass diese „sehr genau wissen, sie müssen sich um ihre Mitarbeiter und Kunden kümmern.“ Solche Unternehmen seien sicher Krisen-Gewinner, die „Familienunternehmen zeichnen sich da aus.“ Wenn Mitarbeitern existenzielle Sorgen genommen werden, man sich um sie kümmert, dann gibt es von ihnen auch entsprechende Leistung. Das sehe man, wer „an und mit der Krise wächst.“

Die PR-Lady
„Ich war noch nie so froh, dass ich meine PR-Agentur im Vorjahr geschlossen habe“, bekannte Charlotte Sengthaler freimütig ein. Die PR- und Marketingconsultant mit Schwerpunkt Gesundheit widmet sich mittlerweile hauptsächlich dem Generalvertrieb von Naturkosmetikprodukten (SPA CEYLON). Die Coronakrise „hätte hingegen meine Agentur wohl voll getroffen.“ So hat ihr die Krise hingegen sogar etwas Entspannung gebracht, denn „man musste zunächst nicht schnell was tun, weil andere auch nichts getan haben - man versäumt nichts.“ Dafür „bin ich draufgekommen, wie viel ich eigentlich nicht brauche, wie das ständige unterwegs sein.“

Trotzdem mussten einige Entscheidungen getroffen und neue Wege beschritten werden. Denn die Nachfrage nach den Naturkosmetikprodukten ließ nach, Lieferketten waren teils unterbrochen. Das hat „dazu geführt, dass wir endlich einen Webshop eingerichtet haben, der jetzt schon ganz gut funktioniert.“ Neue Lieferwege wurden gefunden, das Lager vergrößert. Die Krise habe, so Charlotte Sengthaler, einfach manche längst anstehenden Entscheidung kräftig beschleunigt. Und ganz persönlich: „Ich war noch nie so gerne in meinem Garten wie jetzt, viele Dinge sind jetzt wich-tig geworden, die es früher nicht waren - ich denke nicht, dass ich wieder in alte Schienen zurückfallen werde.“

Der Hotelier und Sensenmähtrainer
„Es sei schon einmal viel besser gelaufen, aber …“ So startete Georg Gasteiger - Inhaber & Superhost Mesnerhof-C Tirol, New Worker des Jahres 2019 und Hobby-Sensenmähtrainer - sein Statement, zugeschaltet aus dem kleinen Tiroler Ort Steinberg am Rofan. Es ist eine spezielle Nische, die Gasteigers Hotel Mesnerhof-C - ein prächtig saniertes altes Bauernhof-Ensemble (das C steht für Community) - beackert: „Zusammen.Sein“ lautet der Slogan auf der Hotel-Website, versehen mit dem Hashtag #ALPINETOGETHERNESS. Und das in Zeiten, in dem plötzlich „social distancing“ gefragt ist.

Die Folgen mit Ausbruch der Corona-Krise waren entsprechend: Das Hotel, das nur exklusiv an ganze Gruppen vergeben wird, verlor binnen kurzem 140 fixe Belegtage. Trotz aller finanzieller und bürokratischer Schwierigkeiten „haben wir die Hoffnung jedoch nicht aufgegeben.“ Und siehe da: In den letzten Wochen konnten „wir 70 Tage wie-der gewinnen.“ Belegt mit zuvor noch nicht gekannten interessanten Gruppen wie einer Firma aus den Niederlanden, die für drei Wochen ihr Office von Amsterdam nach Steinberg am Rofan verlegt. Oder einer Prototypen-Gruppe aus dem Reich von Tesla-Chef Elon Musk. Gasteiger: „Die Community is back, wir sind zwar noch nicht ganz aus der Krise heraus, aber sehr, sehr hoffnungsvoll.“ Sein großer Wunsch für die Zukunft ist, dass die „Corona-Sache“ künftig besser zum Managen sein wird, denn ein „zweiter voller Lockdown ist nicht zu schaffen.“

Diskussion mit positiven Beispielen
In der anschließenden Publikums-Fragerunde, bei der es unter anderem um die Zukunft und die Unterstützungsmöglichkeiten für die durch die Krise arg gebeutelte Veranstaltungsbranche ging („wie bringe ich die wiederkehrende Angst vor dem Virus aus den Köpfen“), blitzten weiterer positive Beispiele der Krisenbewältigung auf. So erzählte Anton Luchner vom Zusammenschluss von 18 Autoren, die Kurzgeschichten zum Thema „Die Zukunft nach Corona“ geschrieben haben. Ergebnis ist nun das Buch „Dreams into Action“, das am 24. September bei der „Langen Nacht der Selbstermächtigung“ im Wiener Gartenbaukino präsentiert wird. Toni: „Ohne die Krise hätte es das Buch und die Lange Nacht nicht gegeben.“

Ursula Hillbrand berichtete, wie aus einem krisenbedingten Nebenprodukt mittlerweile ein neues „hybrides“ Hauptgeschäft wurde: „Wir haben virtuelle Salonabende zum Kennenlernen veranstaltet, mit Teilnehmern aus Nah und Fern, mit Musik, mit Getränken, mit der Pandemie als Thema, aber positiv besetzt.“ Jetzt habe sich gezeigt, dass „die Leu-te so etwas hybrid haben wollen.“ Das heißt: die Veranstaltung wird analog und zugleich virtuell angeboten, eine Mischung also. Die Teilnehmer haben also die Möglichkeit der Auswahl, sie können live dabei sein oder eben nur virtuell: „Das nimmt vielen auch die Angst“. Ein Konzept, das sich für viele andere, wenn auch nicht alle, Events umsetzen ließe.

„Dieser Abend hat mir gezeigt, es ist noch nicht alles super, aber es gibt für viele ein Licht am Ende des Tunnels, wichtig scheint mir, die Perspektive, die Hoffnung, die Zuversicht nicht zu verlieren“, bilanzierte Präsident Julian Hadschieff am Ende. Ja, es werde auch Krisen-Verlierer geben, aber „bei vielen geht’s wieder nach oben“.

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